Portulak im Garten: Warum man diese Pflanze nicht vorschnell ausreißen sollte

Wenn plötzlich eine kleine, fleischige Pflanze zwischen den Gartenbeeten wächst, wird sie häufig sofort als Unkraut betrachtet. Ein Artikel auf der von dir verlinkten Seite bezeichnet diese Pflanze als Portulak (Portulaca oleracea) und stellt seine möglichen gesundheitlichen und kulinarischen Vorteile in den Mittelpunkt.

Allerdings sollte man bei solchen Beiträgen zwischen interessanten Eigenschaften einer Pflanze und medizinisch belegten Wirkungen unterscheiden.

Was ist Portulak?

Portulak ist eine niedrig wachsende, sukkulente Pflanze mit fleischigen Blättern und rötlichen Stängeln. Sie kommt in warmen Regionen häufig spontan in Gärten, auf Wegen und an anderen sonnigen Standorten vor.

Die Pflanze ist nicht nur ein gewöhnliches „Unkraut“. Sie wird in verschiedenen Ländern tatsächlich als essbares Gemüse verwendet.

Typisch sind:

  • fleischige, glatte Blätter,
  • rötliche bis rötlich-grüne Stängel,
  • kleine gelbe Blüten,
  • ein niedriges, sich ausbreitendes Wachstum.

Der von dir verlinkte Artikel identifiziert die Pflanze ausdrücklich als Portulak und bezeichnet sie als traditionelle Heil- und Nutzpflanze.

Warum ist Portulak interessant?

Portulak besitzt ein für eine Wildpflanze interessantes Nährstoffprofil. Besonders bekannt ist sein Gehalt an Alpha-Linolensäure (ALA), einer pflanzlichen Omega-3-Fettsäure.

Außerdem liefert er verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.

Das macht Portulak zu einer interessanten Ergänzung einer abwechslungsreichen Ernährung – allerdings sollte man daraus nicht ableiten, dass die Pflanze Krankheiten heilen kann.

Portulak als Lebensmittel

In verschiedenen Küchen wird Portulak tatsächlich gegessen.

Die jungen Blätter und zarten Stängel können beispielsweise roh in Salaten verwendet werden. Durch ihren leicht säuerlichen Geschmack passen sie gut zu:

  • Tomaten,
  • Gurken,
  • Zwiebeln,
  • Olivenöl,
  • Zitronensaft und
  • Feta.

Auch gekocht oder kurz angebraten kann Portulak verwendet werden.

Eine einfache Möglichkeit besteht darin, die gewaschenen Blätter kurz mit etwas Olivenöl und Knoblauch anzubraten und anschließend mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft zu würzen.

Aber Vorsicht bei der Bestimmung

Hier liegt der wichtigste Punkt: Nicht jede Pflanze, die wie Portulak aussieht, ist tatsächlich Portulak.

Eine bekannte Verwechslungsmöglichkeit ist Wolfsmilch (Euphorbia). Deshalb sollte eine wild wachsende Pflanze niemals allein aufgrund eines Fotos oder eines Internetartikels gegessen werden.

Portulak besitzt typischerweise fleischige Blätter und Stängel und keinen weißen Milchsaft. Bei einer unbekannten Pflanze sollte man im Zweifel auf den Verzehr verzichten.

Auch der Standort ist entscheidend. Pflanzen, die unmittelbar an stark befahrenen Straßen wachsen oder mit Pestiziden beziehungsweise anderen Chemikalien behandelt wurden, sollten nicht als Lebensmittel gesammelt werden.

Warum der Titel „Niemals ausreißen“ übertrieben ist

Der Titel des Artikels klingt sehr absolut: Man solle die Pflanze niemals aus dem Garten entfernen.

Das ist jedoch keine allgemeingültige Gartenregel.

Wenn Portulak in einem Gemüsebeet stark überhandnimmt und andere Pflanzen verdrängt, kann eine Kontrolle durchaus sinnvoll sein. Wer ihn hingegen als essbare Pflanze nutzen möchte und genügend Platz hat, kann einige Exemplare stehen lassen und regelmäßig ernten.

Die sinnvollere Aussage lautet daher:

Man sollte Portulak nicht automatisch als wertloses Unkraut betrachten.

Nicht mit einer Heilpflanze verwechseln

Im Internet werden Portulak häufig zahlreiche medizinische Wirkungen zugeschrieben. Solche Behauptungen sollte man kritisch betrachten.

Dass eine Pflanze Vitamine, Mineralstoffe oder bestimmte Pflanzenstoffe enthält, bedeutet nicht automatisch, dass sie Krankheiten behandelt oder Medikamente ersetzen kann.

Portulak kann als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung interessant sein. Aussagen wie „heilt Krankheiten“, „entgiftet den Körper“ oder ähnliche Versprechen benötigen dagegen solide wissenschaftliche Belege.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Oxalate

Portulak enthält Oxalate. Deshalb ist es nicht unbedingt sinnvoll, große Mengen davon regelmäßig zu essen, insbesondere wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen eine oxalatarme Ernährung einhalten muss.

Für gesunde Menschen kann eine normale Menge als Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung grundsätzlich interessant sein. Bei bestehenden gesundheitlichen Problemen oder speziellen Ernährungsvorgaben sollte man dagegen vorher fachkundigen Rat einholen.

So erkennt man die Pflanze besser

Bevor man Portulak aus dem eigenen Garten verwendet, sollte man mehrere Merkmale gleichzeitig überprüfen:

  1. Die Blätter sind fleischig und glatt.
  2. Die Stängel sind ebenfalls fleischig und häufig rötlich.
  3. Die Pflanze wächst eher flach und breitet sich aus.
  4. Es tritt beim Abbrechen kein weißer Milchsaft aus.
  5. Die Pflanze stammt aus einem sauberen, unbehandelten Standort.

Wenn nur ein einziges Merkmal bekannt ist, reicht das nicht für eine sichere Identifikation.

Fazit

Die Kernaussage des verlinkten Artikels ist durchaus interessant: Portulak ist nicht einfach nur ein nutzloses Unkraut. Er kann eine essbare Wildpflanze sein und liefert verschiedene Nährstoffe.

Trotzdem sollte man die sensationellen Formulierungen solcher Internetartikel nicht wörtlich nehmen. Portulak ist kein Wundermittel, und man sollte eine unbekannte Gartenpflanze niemals essen, bevor sie eindeutig bestimmt wurde.

Wer Portulak sicher identifiziert und an einem unbelasteten Standort findet, kann ihn stattdessen als ungewöhnliches, nährstoffreiches Gemüse betrachten – und muss ihn nicht automatisch aus dem Garten entfernen.