Ist wirklich ein Großteil des Olivenöls gefälscht? Was Verbraucher wissen sollten

SEO-Titel: Gefälschtes Olivenöl: Ist wirklich 80 Prozent des Öls gepanscht?

Die Behauptung klingt alarmierend: „80 Prozent des Olivenöls sind gefälscht.“ Solche Aussagen verbreiten sich regelmäßig in sozialen Netzwerken und sorgen bei Verbrauchern für Verunsicherung. Tatsächlich gibt es bei Olivenöl durchaus Fälle von Verfälschung und falscher Kennzeichnung. Die pauschale Aussage, dass 80 Prozent des Olivenöls weltweit „fake“ seien, lässt sich jedoch nicht durch verlässliche globale Daten belegen.

Für einen guten Artikel über das Thema ist deshalb eine wichtige Unterscheidung notwendig: Olivenölbetrug existiert, aber daraus lässt sich keine allgemeine Quote von 80 Prozent ableiten.

Was bedeutet „gefälschtes Olivenöl“ überhaupt?

Bei Olivenöl kann es verschiedene Formen von Verfälschung geben. Dazu gehört beispielsweise, dass ein als „nativ extra“ verkauftes Öl mit anderen pflanzlichen Ölen vermischt wird oder dass ein Produkt nicht die Qualitätsanforderungen der angegebenen Kategorie erfüllt.

Wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich seit Jahren mit genau diesem Problem. Zur Überprüfung werden unter anderem Fettsäuren, Sterole und weitere charakteristische Bestandteile des Öls analysiert. (Institute of Food Technologists)

Woher kommt die berühmte 80-Prozent-Behauptung?

Die Zahl von 70 beziehungsweise 80 Prozent wird seit Jahren im Zusammenhang mit Olivenöl verbreitet. Sie wird häufig auf ältere Untersuchungen und deren spätere Interpretation zurückgeführt.

Das Problem: Eine Untersuchung einzelner Produkte oder eines bestimmten Marktes kann nicht automatisch auf sämtliche Olivenöle weltweit übertragen werden.

Eine aktuelle Zusammenfassung des Themas weist ebenfalls darauf hin, dass die Behauptung „80 Prozent des Olivenöls sind gefälscht“ nicht durch belastbare globale Daten gestützt wird. (EmpowerMe Magazine)

Es gibt tatsächlich Fälle von Verfälschung

Dass die 80-Prozent-Zahl nicht belegt ist, bedeutet allerdings nicht, dass Olivenölbetrug ein erfundenes Problem wäre.

Eine wissenschaftliche Untersuchung von 88 im Handel erhältlichen Produkten, die als natives Olivenöl extra gekennzeichnet waren, stellte bei drei Proben fest, dass sie die untersuchten Reinheitskriterien nicht erfüllten. Das entsprach in dieser Untersuchung weniger als fünf Prozent der untersuchten Produkte. (Aocs Online Library)

Andere wissenschaftliche Untersuchungen kamen bei bestimmten Screening-Verfahren zu deutlich höheren Auffälligkeiten. Dabei ist jedoch wichtig, zwischen einem Verdachts- oder Screening-Ergebnis und einem endgültig nachgewiesenen Betrugsfall zu unterscheiden. (PubMed)

Warum lässt sich echtes Olivenöl zu Hause nur schwer erkennen?

Im Internet kursieren zahlreiche angebliche Heimtests. Dazu gehört beispielsweise der sogenannte Kühlschranktest: Olivenöl wird gekühlt und soll bei einer bestimmten Reaktion automatisch als echt gelten.

Das ist jedoch kein zuverlässiger Nachweis für die Echtheit. Die North American Olive Oil Association weist ausdrücklich darauf hin, dass es keinen einfachen Heimtest gibt, mit dem Verbraucher die Authentizität von Olivenöl sicher feststellen können. Auch die Farbe des Öls ist kein zuverlässiges Qualitätsmerkmal. (About Olive Oil)

Für eine zuverlässige Authentizitätsprüfung sind Laborverfahren notwendig.

Die Farbe sagt wenig über die Qualität aus

Ein besonders grünes Olivenöl muss nicht automatisch besser sein als ein goldgelbes.

Die Farbe kann unter anderem von der Olivensorte, dem Erntezeitpunkt und weiteren Faktoren beeinflusst werden. Deshalb sollte die Farbe nicht als alleiniger Maßstab für Qualität oder Echtheit verwendet werden. (Consumer Reports)

Auch die Farbe allein kann deshalb nicht verraten, ob ein Öl mit einem anderen Pflanzenöl verschnitten wurde.

Woran erkennt man gutes Olivenöl eher?

Verbraucher können beim Kauf trotzdem einige Punkte berücksichtigen.

Bei nativem Olivenöl extra sind beispielsweise Geruch und Geschmack wichtige Qualitätsmerkmale. Ein gutes Öl sollte frisch und fruchtig wirken und kann eine gewisse Bitterkeit sowie eine pfeffrige Schärfe aufweisen. Fehlnoten wie muffige oder abgestandene Aromen können dagegen auf Qualitätsprobleme hindeuten. (Consumer Reports)

Allerdings ersetzt auch eine Geschmacksprobe keine Laboranalyse, wenn es um die eindeutige Frage der Authentizität geht.

Verpackung und Lagerung spielen ebenfalls eine Rolle

Olivenöl sollte vor Licht und ungünstigen Lagerbedingungen geschützt werden. Auch ein lange gelagertes Öl kann an Qualität verlieren, ohne deshalb automatisch „gefälscht“ zu sein.

Deshalb sollte man zwischen zwei verschiedenen Fragen unterscheiden:

Ist das Öl echt?
und

Hat das Öl noch eine gute Qualität?

Ein Produkt kann authentisches Olivenöl sein und trotzdem durch falsche oder zu lange Lagerung an Geschmack und Qualität verlieren.

Was Verbraucher beim Kauf beachten können

Wer möglichst hochwertiges Olivenöl kaufen möchte, sollte nicht allein auf auffällige Werbeaussagen achten.

Hilfreich sind unter anderem:

  • die genaue Bezeichnung der Olivenölkategorie,
  • nachvollziehbare Angaben zum Produkt,
  • eine geeignete Verpackung,
  • ein seriöser Händler oder Hersteller,
  • eine möglichst frische Abfüllung beziehungsweise Ernteangabe, sofern vorhanden,
  • und eine sachgerechte Lagerung nach dem Kauf.

Auch ein besonders hoher Preis garantiert nicht automatisch Echtheit oder Qualität.

Warum wissenschaftliche Tests wichtiger sind als Internet-Tricks

Die Authentizität von Olivenöl lässt sich mit wissenschaftlichen Verfahren untersuchen. Forscher verwenden beispielsweise spektroskopische Methoden, um charakteristische Bestandteile zu analysieren und mögliche Beimischungen anderer Öle aufzuspüren. (ScienceDirect)

Solche Verfahren sind wesentlich aussagekräftiger als Tests mit Kühlschrank, Wasser oder Farbe.

Das ist besonders wichtig, weil sich manche Verfälschungen mit einfachen Methoden nicht zuverlässig erkennen lassen.

Fazit: Die 80-Prozent-Aussage ist irreführend

Die Schlagzeile „80 Prozent des Olivenöls sind gefälscht“ klingt spektakulär, ist als allgemeine Aussage aber nicht durch belastbare globale Daten gedeckt.

Olivenölverfälschung ist ein reales Problem und wird wissenschaftlich untersucht. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass die tatsächliche Häufigkeit je nach Markt, Produktgruppe, Untersuchungsmethode und Zeitraum sehr unterschiedlich ausfallen kann. (Aocs Online Library)

Verbraucher sollten deshalb nicht in Panik geraten. Statt sich auf angebliche Heimtests zu verlassen, ist es sinnvoller, auf seriöse Anbieter, nachvollziehbare Produktangaben, gute Lagerung sowie Geruch und Geschmack zu achten.

Die wichtigste Botschaft lautet daher: Nicht jedes Olivenöl ist gefälscht – und die oft verbreitete 80-Prozent-Zahl sollte nicht als Tatsache dargestellt werden. (EmpowerMe Magazine)