Lorbeertee: Entspannender Kräutertee oder überschätztes Hausmittel?

Lorbeer kennt man vor allem als Gewürz für Suppen, Eintöpfe und Saucen. Doch die Blätter des Echten Lorbeers (Laurus nobilis) werden traditionell auch als Tee aufgegossen. Im Internet wird Lorbeertee häufig als beruhigendes Getränk mit zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen dargestellt.

Der von Ihnen verlinkte Beitrag stellt Lorbeertee als einfache und entspannende Kräuterinfusion vor. Die medizinische Datenlage ist allerdings deutlich zurückhaltender: Erste Untersuchungen gibt es zwar, doch sie reichen nicht aus, um Lorbeertee als Behandlung für bestimmte Beschwerden zu empfehlen.

Wie wird Lorbeertee zubereitet?

Für Lorbeertee werden getrocknete Lorbeerblätter mit heißem Wasser übergossen und anschließend einige Minuten ziehen gelassen. Danach werden die Blätter entfernt.

In einer kleinen klinischen Untersuchung wurden beispielsweise 5 Gramm getrocknete Laurus nobilis-Blätter mit 100 Millilitern kochendem Wasser aufgegossen und die Infusion einmal täglich über zehn Tage getrunken. Die Studie untersuchte allerdings eine klar definierte Gruppe gesunder Erwachsener und erlaubt keine allgemeinen Aussagen über langfristige gesundheitliche Wirkungen.

Kann Lorbeertee tatsächlich entspannen?

Eine kleine Studie mit 30 gesunden Erwachsenen untersuchte, ob täglicher Lorbeertee bestimmte Stress- und Angstmarker beeinflussen könnte. Nach zehn Tagen wurden niedrigere Cortisolwerte sowie Veränderungen bei den verwendeten Stress- und Angstscores beobachtet.

Die Ergebnisse sind interessant, sollten aber nicht überbewertet werden. Die Untersuchung war klein und die Autoren selbst weisen darauf hin, dass größere Studien mit längerer Beobachtungszeit notwendig sind.

Daher lässt sich nicht behaupten, dass Lorbeertee zuverlässig gegen Stress, Angst oder Schlafprobleme hilft.

Welche weiteren Wirkungen werden Lorbeer zugeschrieben?

Lorbeer enthält verschiedene pflanzliche Inhaltsstoffe, die in Laboruntersuchungen unter anderem antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften gezeigt haben. Solche Ergebnisse aus Labor- oder kleinen Humanstudien bedeuten jedoch nicht automatisch, dass das Trinken von Lorbeertee eine bestimmte Erkrankung verhindert oder behandelt.

Auch Untersuchungen zu Blutfettwerten haben erste interessante Ergebnisse geliefert. In einer kleinen Studie mit 30 gesunden Personen wurde nach zehn Tagen unter anderem ein Anstieg des HDL-Cholesterins beobachtet. Für eindeutige gesundheitliche Empfehlungen sind jedoch größere und länger angelegte Studien erforderlich.

Lorbeertee ist kein Ersatz für eine medizinische Behandlung

Wer Lorbeertee gerne trinkt, sollte ihn eher als aromatisches Kräutergetränk betrachten und nicht als Medikament. Aussagen wie „Lorbeertee heilt Diabetes“, „senkt zuverlässig den Cholesterinspiegel“ oder „behandelt Entzündungen“ sind durch die derzeit verfügbare klinische Forschung nicht ausreichend belegt. Auch aktuelle medizinische Informationen betonen, dass die gesundheitlichen Wirkungen von Lorbeer beim Menschen noch nicht überzeugend nachgewiesen sind.

Bei der Menge kommt es auf Vorsicht an

Lorbeer als Gewürz in normalen Mengen gilt für die meisten Menschen als unproblematisch. Bei konzentrierten Aufgüssen oder Extrakten ist die Situation jedoch weniger eindeutig.

Eine aktuelle Fallbeschreibung aus dem Jahr 2026 berichtet beispielsweise über eine 55-jährige Frau, bei der nach regelmäßigem Konsum von Lorbeerblatt-Infusionen eine wahrscheinliche pflanzenbedingte Leberschädigung festgestellt wurde. Nach dem vollständigen Absetzen des Lorbeerblättertees verbesserten sich die klinischen und laborchemischen Werte. Ein einzelner Fall beweist zwar keinen allgemeinen Zusammenhang, zeigt aber, dass „natürlich“ nicht automatisch „risikofrei“ bedeutet.

Wer besonders vorsichtig sein sollte

Bei Schwangerschaft und Stillzeit gibt es nicht genügend zuverlässige Informationen zur Sicherheit einer medizinischen Anwendung von Lorbeer. Auch bei Diabetes oder der Einnahme von Medikamenten sollte ein regelmäßiger oder konzentrierter Konsum von Lorbeerpräparaten vorher mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Apotheke besprochen werden.

Auch ätherisches Lorbeeröl sollte nicht mit einem normalen Tee verwechselt werden. Ätherische Öle sind hochkonzentriert und nicht dafür gedacht, einfach als Getränk eingenommen zu werden.

Was macht einen guten Kräutertee aus?

Wenn Lorbeertee als warmes Getränk genossen wird, muss daraus kein Gesundheitsversprechen gemacht werden. Der aromatische Geschmack kann für viele Menschen bereits einen angenehmen Bestandteil einer ruhigen Pause darstellen.

Entscheidend ist, realistische Erwartungen zu haben. Ein Kräutertee kann eine angenehme Ergänzung des Alltags sein, ersetzt aber weder eine ausgewogene Ernährung noch ausreichend Schlaf, Bewegung oder eine notwendige medizinische Behandlung.

Fazit: Lorbeertee kann interessant sein, ist aber kein Wundermittel

Lorbeertee ist eine traditionelle Kräuterinfusion, zu deren möglichen Wirkungen inzwischen auch erste wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen. Kleine Studien haben unter anderem Veränderungen bei Stressmarkern und bestimmten Blutfettwerten beobachtet. Die Datenlage ist jedoch noch zu begrenzt, um daraus weitreichende gesundheitliche Versprechen abzuleiten.

Wer Lorbeertee gelegentlich als aromatisches Getränk genießen möchte, sollte ihn nicht mit einem Medikament verwechseln. Bei regelmäßigem oder konzentriertem Konsum ist dagegen mehr Vorsicht angebracht – insbesondere bei bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder besonderen Lebenssituationen.

Kurz gesagt: Lorbeertee kann eine angenehme Kräuterinfusion sein, aber die Behauptung, er sei ein zuverlässiges Heilmittel, geht über das hinaus, was die aktuelle Forschung belegen kann.