Eierschalen nicht wegwerfen: So lässt sich daraus ein calciumreiches Pulver herstellen

Eierschalen landen nach dem Frühstück meist direkt im Abfall. Dabei bestehen sie größtenteils aus Calciumcarbonat und enthalten damit einen Mineralstoff, der für Knochen und Zähne wichtig ist. Ein viraler Beitrag zeigt deshalb eine ungewöhnliche Möglichkeit, Eierschalen weiterzuverwenden: Sie werden abgekocht, getrocknet und zu feinem Pulver verarbeitet. Anschließend kann dieses Pulver in kleinen Mengen verschiedenen Speisen beigemischt werden.

Die Idee klingt zunächst ungewöhnlich, ist aber nicht völlig aus der Luft gegriffen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben tatsächlich gezeigt, dass aufbereitete Eierschalen eine calciumreiche Quelle sein können. Gleichzeitig ist bei der Verwendung als Lebensmittel eine sorgfältige hygienische Vorbereitung besonders wichtig.

Warum Eierschalen so viel Calcium enthalten

Die harte Schale eines Hühnereis besteht überwiegend aus Calciumcarbonat. Der von Ihnen verlinkte Beitrag spricht von rund 90 Prozent Calciumcarbonat.

Calcium erfüllt im menschlichen Körper wichtige Funktionen. Der Mineralstoff ist unter anderem Bestandteil von Knochen und Zähnen und spielt außerdem bei verschiedenen physiologischen Prozessen eine Rolle.

Untersuchungen zu aufbereitetem Eierschalenpulver zeigen, dass daraus tatsächlich Calcium aufgenommen werden kann. Eine Studie mit Frauen nach der Menopause fand beispielsweise positive Veränderungen der Knochenmasse bei einer definierten Supplementierung mit Eierschalen-Calcium.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Mensch Eierschalen als Nahrungsergänzung benötigt.

Der Unterschied zwischen einer interessanten Calciumquelle und einem Hausmittel

Der virale Beitrag stellt Eierschalenpulver als natürliche Möglichkeit dar, zusätzliches Calcium aufzunehmen. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, sollte aber nicht mit einer medizinisch notwendigen Nahrungsergänzung gleichgesetzt werden.

Wer sich ausgewogen ernährt, kann seinen Calciumbedarf bereits über verschiedene Lebensmittel decken. Eierschalenpulver ist deshalb eher eine interessante Form der Wiederverwertung als ein Ersatz für eine individuell notwendige Behandlung oder ein ärztlich empfohlenes Präparat.

So werden Eierschalen vorbereitet

Der wichtigste Punkt bei der Verwendung von Eierschalen als Lebensmittel ist die Hygiene.

Im verlinkten Beitrag wird empfohlen, die Schalen zunächst zu kochen, anschließend vollständig zu trocknen und danach fein zu mahlen.

Wissenschaftliche Arbeiten haben ebenfalls verschiedene Verfahren zur hygienischen Aufbereitung untersucht. Eine Studie zur Verwendung von Eierschalen als Calciumquelle empfiehlt unter anderem, die Schalen nach dem Entfernen des Ei-Inhalts zu reinigen, anschließend etwa 10 Minuten zu kochen, zu trocknen und danach zu Pulver zu verarbeiten.

Schritt 1: Schalen sammeln

Nach dem Aufschlagen der Eier werden die Schalen gesammelt. Dabei sollten möglichst wenig Reste von Eiweiß oder Eigelb anhaften bleiben.

Schritt 2: Gründlich reinigen

Die Schalen werden unter fließendem Wasser gereinigt.

Saubere Hände sowie saubere Arbeitsflächen und Küchenutensilien sind ebenfalls wichtig.

Schritt 3: Erhitzen

Die gereinigten Schalen sollten ausreichend erhitzt werden. Untersuchungen nennen beispielsweise 10 Minuten in kochendem Wasser als Teil eines Verfahrens zur Reduzierung von Keimen.

Schritt 4: Trocknen

Nach dem Erhitzen müssen die Schalen vollständig trocken werden.

Das kann beispielsweise in einem geeigneten Backofen bei niedriger Temperatur geschehen.

Schritt 5: Fein mahlen

Die trockenen Schalen werden anschließend möglichst fein zermahlen.

Ein sehr feines Pulver ist angenehmer zu verwenden als grobe Stücke und lässt sich leichter unter andere Lebensmittel mischen.

Warum die hygienische Vorbereitung so wichtig ist

Eierschalen können mit Mikroorganismen belastet sein. Besonders Salmonellen gelten als relevantes Risiko bei rohen Eierschalen. Genau deshalb ist eine ausreichende Wärmebehandlung entscheidend.

Einfaches Abspülen und anschließendes Trocknen reichen deshalb nicht aus, wenn das Endprodukt tatsächlich gegessen werden soll.

Die wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema betont ausdrücklich, dass eine geeignete Dekontamination notwendig ist.

Wie viel Calcium steckt in Eierschalen?

Eierschalen sind tatsächlich außergewöhnlich calciumreich.

Eine Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass eine einzelne Eierschale im Durchschnitt ungefähr 2 Gramm Calcium enthalten kann. Gleichzeitig wurde betont, dass eine solche Menge bereits einen erheblichen Anteil des täglichen Calciumbedarfs eines Erwachsenen ausmachen kann.

Gerade deshalb sollte Eierschalenpulver nicht einfach großzügig über jede Mahlzeit gestreut werden.

Mehr Calcium ist nicht automatisch besser.

Wie kann das Pulver verwendet werden?

Der Ausgangsartikel schlägt vor, das Pulver in verschiedene Lebensmittel zu geben, darunter:

  • Säfte
  • Smoothies
  • Suppen

Auch wissenschaftliche Untersuchungen haben die Verwendung von Eierschalenpulver in Lebensmitteln untersucht. Dabei wurde beispielsweise beschrieben, dass es in bestimmte Speisen eingearbeitet werden kann, ohne Geschmack und Konsistenz stark zu verändern.

Für den Alltag ist es dennoch sinnvoll, das Pulver nur in sehr kleinen, gut kontrollierten Mengen zu verwenden.

Eierschalenpulver ist kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung

Wer Calcium aufnehmen möchte, sollte nicht automatisch zu Eierschalen greifen.

Milchprodukte, bestimmte angereicherte pflanzliche Produkte, einige Gemüsesorten und andere Lebensmittel können ebenfalls relevante Mengen Calcium liefern.

Eierschalenpulver ist daher eher eine ungewöhnliche zusätzliche Quelle und keine notwendige Zutat für eine gesunde Ernährung.

Kann Eierschalenpulver wirklich die Knochen stärken?

Hier lohnt sich eine genaue Formulierung.

Es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Calcium aus Eierschalen bioverfügbar ist und dass Eierschalen-Calcium in bestimmten Untersuchungen positive Effekte auf Knochenparameter zeigte.

Das bedeutet aber nicht, dass das einfache Einnehmen von Eierschalenpulver automatisch Osteoporose verhindert oder behandelt.

Solche Aussagen wären deutlich weitergehend als die bisher verfügbaren Forschungsergebnisse.

Bei bestehendem Calciummangel oder erhöhtem Osteoporoserisiko sollte die Versorgung deshalb mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.

Auch Magnesium und andere Mineralstoffe sind enthalten

Der verlinkte Beitrag weist neben Calcium auch auf geringe Mengen anderer Mineralstoffe wie Magnesium, Phosphor und Zink hin.

Der überwiegende ernährungsphysiologische Wert der Schale liegt jedoch eindeutig im Calciumanteil.

Man sollte daher nicht davon ausgehen, dass Eierschalenpulver automatisch eine vollständige Mineralstoffversorgung ersetzt.

Warum sehr feines Pulver sinnvoll ist

Grob zerkleinerte Eierschalen sind unangenehm zu essen und können harte Partikel enthalten.

Ein möglichst fein gemahlenes Pulver lässt sich besser in flüssige oder weiche Speisen einarbeiten. Genau diese Form wurde auch in wissenschaftlichen Untersuchungen als besonders geeignet für die Verwendung als Lebensmittelbestandteil beschrieben.

Wer bei der Anwendung besonders vorsichtig sein sollte

Bei Nahrungsergänzungen und ungewöhnlichen Calciumquellen sollte man besonders vorsichtig sein, wenn bereits Medikamente eingenommen werden oder eine Erkrankung besteht, bei der die Calciumzufuhr relevant ist.

Auch für Kinder sollte Eierschalenpulver nicht einfach nach Internetrezept dosiert werden.

Eine hohe Calciumzufuhr kann je nach individueller Situation unerwünscht sein. Deshalb ist eine pauschale Dosierung für alle Menschen keine gute Idee.

Was man aus dem viralen Beitrag mitnehmen kann

Die Aussage „Eierschalen nicht wegwerfen“ hat einen interessanten Kern: Die Schalen sind tatsächlich nicht wertlos.

Sie können beispielsweise kompostiert oder für verschiedene Garten- und Bastelprojekte verwendet werden. Unter sorgfältiger hygienischer Aufbereitung können sie außerdem als calciumreicher Lebensmittelbestandteil dienen.

Der entscheidende Punkt ist jedoch, zwischen nachgewiesenen Eigenschaften und übertriebenen Gesundheitsversprechen zu unterscheiden.

Fazit

Eierschalen bestehen zu einem großen Teil aus Calciumcarbonat und können nach geeigneter hygienischer Behandlung zu einem sehr calciumreichen Pulver verarbeitet werden. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Calcium aus Eierschalen grundsätzlich aufgenommen werden kann.

Die Zubereitung sollte allerdings sorgfältig erfolgen: reinigen, ausreichend erhitzen, vollständig trocknen und sehr fein mahlen. Besonders wichtig ist die Reduzierung möglicher Keime wie Salmonellen.

Der virale Beitrag hat also einen interessanten praktischen Ansatz, doch Aussagen wie „Eierschalen verhindern Osteoporose“ sollten nicht als gesicherte Tatsache übernommen werden.

Eierschalen können eine ungewöhnliche Calciumquelle sein – aber Sicherheit, richtige Aufbereitung und eine angemessene Menge sind wichtiger als spektakuläre Gesundheitsversprechen.