Orchideen gehören zu den beliebtesten Zimmerpflanzen. Ihre Blüten sind elegant, die Pflanzen können bei guter Pflege viele Jahre alt werden und manche Exemplare entwickeln mit der Zeit sogar kleine Ableger.
Wer seine Orchideensammlung vergrößern möchte, muss deshalb nicht unbedingt jedes Mal eine neue Pflanze kaufen. Je nach Orchideenart gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine vorhandene Pflanze zu vermehren.
Die richtige Methode hängt von der Orchidee ab
Nicht jede Orchidee lässt sich auf dieselbe Weise vermehren. Grundsätzlich unterscheiden sich die Pflanzen in ihrem Wuchs.
Bei bestimmten Orchideenarten ist eine Teilung der Pflanze möglich. Andere bilden sogenannte Keikis – kleine Tochterpflanzen, die sich beispielsweise an einem Blütentrieb entwickeln können. Besonders bei Phalaenopsis-Orchideen ist diese Methode interessant.
Die Vermehrung aus Samen ist dagegen deutlich komplizierter und wird unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt.
Orchideen durch Keikis vermehren
Ein Keiki ist eine kleine Tochterpflanze, die sich bei manchen Orchideen an der Mutterpflanze bildet. Mit der Zeit entwickelt sie eigene Blätter und Wurzeln.
Gerade bei Phalaenopsis kann diese natürliche Form der Vermehrung genutzt werden. Wichtig ist allerdings, dass der junge Ableger ausreichend entwickelt ist, bevor er von der Mutterpflanze getrennt wird.
So gehen Sie vorsichtig vor
Warten Sie zunächst, bis das Keiki eigene, kräftige Wurzeln entwickelt hat.
Anschließend kann die kleine Pflanze vorsichtig von der Mutterpflanze getrennt werden. Dafür sollte ein sauberes und desinfiziertes Schneidwerkzeug verwendet werden.
Danach wird das junge Pflänzchen in ein geeignetes Orchideensubstrat gesetzt.
Nicht zu früh abtrennen
Eine der häufigsten Fehlerquellen bei der Orchideenvermehrung ist Ungeduld.
Ein kleiner Trieb bedeutet noch nicht automatisch, dass er bereits selbstständig weiterwachsen kann. Erst wenn genügend eigene Wurzeln vorhanden sind, bestehen bessere Voraussetzungen für die weitere Entwicklung.
Bei einem Keiki sollten deshalb nicht allein die Blätter, sondern vor allem die Wurzeln betrachtet werden.
Orchideen durch Teilung vermehren
Bei bestimmten Orchideen, die mehrere Triebe beziehungsweise sogenannte Pseudobulben bilden, kann eine Teilung der Pflanze möglich sein.
Dafür wird die ausgewachsene Pflanze vorsichtig aus ihrem Topf genommen und das Substrat entfernt, sodass die Wurzeln und die einzelnen Wachstumsbereiche sichtbar werden.
Anschließend wird die Pflanze so geteilt, dass die einzelnen Abschnitte über ausreichend Wurzeln und mehrere kräftige Wachstumseinheiten verfügen. Diese Methode eignet sich beispielsweise für verschiedene sympodial wachsende Orchideen.
Schritt für Schritt: Eine Orchidee teilen
Bei einer geeigneten, kräftigen Pflanze kann die Teilung grundsätzlich folgendermaßen ablaufen:
- Die Orchidee vorsichtig aus dem Topf nehmen.
- Altes Substrat behutsam von den Wurzeln entfernen.
- Die natürlichen Wachstumsgruppen der Pflanze erkennen.
- Mit einem sauberen und desinfizierten Werkzeug vorsichtig teilen.
- Darauf achten, dass jeder neue Abschnitt über ausreichend Wurzeln verfügt.
- Die Teilstücke in geeignetes Orchideensubstrat setzen.
- Nach dem Umtopfen zunächst besonders vorsichtig mit Wasser umgehen.
Bei sympodialen Orchideen werden häufig mehrere Pseudobulben pro Teilstück empfohlen, damit die neue Pflanze genügend Reserven besitzt.
Welches Substrat ist geeignet?
Normale Blumenerde ist für viele Orchideen keine gute Wahl. Die Wurzeln benötigen ausreichend Luft und eine gute Drainage.
Für Orchideen werden deshalb spezielle Substrate verwendet, die beispielsweise aus grober Rinde bestehen können. Solche Mischungen ermöglichen eine bessere Belüftung der Wurzeln und verhindern, dass überschüssiges Wasser dauerhaft im Topf stehen bleibt.
Gerade bei frisch geteilten Pflanzen sollte Staunässe vermieden werden.
Der richtige Standort für junge Orchideen
Nach der Vermehrung brauchen die neuen Pflanzen Zeit, um sich zu etablieren.
Ein heller Standort ohne intensive direkte Sonneneinstrahlung ist für viele Zimmerorchideen geeignet. Gleichzeitig sollte die Pflanze vor starken Temperaturschwankungen geschützt werden.
Auch beim Gießen ist Zurückhaltung wichtig. Die Wurzeln sollten nicht dauerhaft nass stehen.
Bei vielen Orchideen lässt sich der Wasserbedarf unter anderem am Zustand der Wurzeln beobachten. Bei Phalaenopsis können silbrig wirkende Wurzeln beispielsweise darauf hinweisen, dass wieder gegossen werden kann.
Warum eine einzelne Orchideenblüte oder ein Blatt nicht automatisch eine neue Pflanze ergibt
Im Internet finden sich zahlreiche Anleitungen, die versprechen, aus einem einzelnen Blatt schnell eine neue Orchidee zu ziehen.
Bei den üblichen Orchideen für die Wohnung ist das jedoch nicht die zuverlässigste Vorgehensweise. Eine einzelne Blattstecklinge besitzt normalerweise nicht die notwendigen Voraussetzungen, um einfach eine vollständige neue Pflanze zu bilden.
Deshalb sollte man zwischen verschiedenen Vermehrungsmethoden unterscheiden und zunächst feststellen, um welche Orchideenart es sich handelt.
Geduld gehört zur Orchideenvermehrung dazu
Orchideen wachsen nicht immer so schnell, wie man es sich wünscht.
Nach dem Teilen oder Einpflanzen eines Keikis kann es eine gewisse Zeit dauern, bis sich neue Wurzeln oder Blätter entwickeln. Ein möglichst gleichmäßiges Umfeld, ausreichend Licht und eine passende Wasserversorgung sind deshalb wichtiger als ständig neue Maßnahmen auszuprobieren.
Wer seine Orchidee regelmäßig beobachtet, erkennt meist schnell, ob sie gesund wächst oder unter zu viel beziehungsweise zu wenig Wasser leidet.
Nicht jede Orchidee lässt sich gleich vermehren
Ein wichtiger Punkt wird bei vielen vereinfachten Internet-Anleitungen übersehen: Die geeignete Methode hängt stark von der jeweiligen Orchidee ab.
Phalaenopsis bildet beispielsweise häufig Keikis, während sich andere Orchideen eher durch Teilung ihrer Wachstumseinheiten vermehren lassen. Bei einigen Arten sind wiederum spezielle Verfahren erforderlich.
Wer eine bestimmte Orchidee vermehren möchte, sollte daher zuerst deren Wuchsform berücksichtigen.
Fazit
Orchideen lassen sich unter den richtigen Voraussetzungen vermehren – ganz ohne jedes Mal eine neue Pflanze kaufen zu müssen.
Besonders praktisch ist die Vermehrung über Keikis, wenn die Mutterpflanze solche Tochterpflanzen bildet. Bei geeigneten Orchideen kann auch die Teilung einer kräftigen Pflanze funktionieren.
Wichtig sind ein sauberes Werkzeug, ein geeignetes Orchideensubstrat, vorsichtiges Gießen und vor allem Geduld.
Wer dagegen auf eine einzelne Orchideenblatt-Stecklinge setzt, sollte seine Erwartungen niedrig halten: Bei den verbreiteten Zimmerorchideen ist diese Methode nicht mit der natürlichen Vermehrung über Keikis oder der Teilung vergleichbar.